Niemand weiß genau, wo
dieser Hafen liegt.
Man findet ihn nicht auf
Karten. Man landet dort nur, wenn man müde genug
ist.Es heißt, wer zu
lange unterwegs war, wer zu viele Meilen im Herzen gesammelt
hat, dessen Schiff wird leiser. Die Planken knarren nicht mehr,
der Wind spricht gedämpft, und irgendwann taucht im Dunst ein
Steg auf, der vorher nicht da war.
Der Hafen ist klein. Zu klein für all die Geschichten, die dort liegen.Wenn man anlegt, passiert zunächst nichts. Kein Empfang, kein Wirt, kein Geräusch. Erst wenn man das Tau festmacht, hört man es. Stimmen. Nicht laut. Mehr wie Erinnerungen, die sich verirrt haben.Manche hören Lachen. Andere Streit. Manche ihren eigenen Namen, ausgesprochen von jemandem, der längst nicht mehr an Bord ist.
Ein alter Seemann sagte
einmal, der Hafen merke sich jedes Schiff. Nicht nur die Farbe
und den Namen. Sondern den Grund, warum es unterwegs
war.Bleibt man zu
lange, wird es schwer, wieder abzulegen. Nicht weil das Meer
einen hält, sondern weil man plötzlich weiß, was man gesucht
hat.Am Morgen ist der
Hafen weg.Der Steg
auch.
Nur das Gefühl bleibt, dass
das Meer einen kurz angesehen hat. Und genickt.

Hier findest du spannende Geschichten, Traditionen und Legenden der Seefahrt – humorvoll, interessant und maritim.
Seemannsgarn gehört zur Seefahrt wie Wind zu den Segeln. Auf dieser Seite sammle ich echte Geschichten von Seglern, besondere Erlebnisse, maritime Redewendungen und die schönsten Traditionen der Seefahrt. Ideal für alle, die das Meer lieben und ein bisschen Seefahrer-Romantik in den Alltag bringen wollen.

„Die Nacht im Hafen von Cuxhaven“
Es war eine dieser Nächte, in denen der Wind Geschichten erzählt. Die Masten klapperten im Takt der Böen, und irgendwo zwischen den dunklen Wellen hörte man das Lachen der alten Seeleute, die längst weitergezogen waren. Ein junger Skipper schwor, er habe im Nebel eine Gestalt gesehen – mit Südwester und Pfeife im Mundwinkel. Doch als er genauer hinsah, war da nur das Leuchten der Hafenscheinwerfer.
Am nächsten Morgen erzählte jeder seine eigene Version. Manche sprachen von einem alten Kapitän, der nie aufgehört hat, den Hafen zu bewachen. Andere sagten, es sei nur der Wind gewesen. Doch alle waren sich einig: Seemannsgarn gehört zum Hafen wie Salz zum Meer.

„Der fliegende Fisch und der hungrige Skipper“
Es war ein ruhiger Sommertörn irgendwo zwischen Helgoland und Sylt. Die Crew döste an Deck, als plötzlich ein silberner Blitz aus dem Wasser schoss – ein fliegender Fisch! Er segelte elegant über die Reling und landete direkt im Schoß des Skippers, der gerade sein belegtes Brötchen auspackte.
„Na, das nenn’ ich mal Fangfrisch!“, rief er lachend, während die Mannschaft Tränen lachte. Der Fisch sprang zurück ins Meer, und seitdem schwört die Crew, dass der Skipper immer mit einem Brötchen in der Hand segelt – in der Hoffnung, dass der nächste Fang wieder direkt geliefert wird.

Kapitän Hinnerk hatte einen Rettungsring, den er „Erna“ nannte. Niemand fragte nach dem Namen – auf See stellt man keine Fragen, wenn die Dinge funktionieren. Und Erna funktionierte. Sie hing am Mast, war rund, orange, und schwieg.Bis zu jenem Morgen.Da fiel sie über Bord. Kein Sturm, kein Seegang, nicht mal ein Windstoß. Einfach plopp – weg. Hinnerk sprang hinterher. Nicht aus Panik, sondern weil ersagte: „Erna kann schwimmen. Aber sie mag Gesellschaft.“Im Wasser drehte sich der Ring einmal um sich selbst und sagte – ganz deutlich: „Ich will nicht zurück aufs Schiff. Da riecht’s nach nassen Socken.“Der Bootsmann schwor, er habe es auch gehört. Der Steuermann meinte, das sei nur das Echo vom Möwenschrei. Die Möwe sagte: „Quatsch, ich schrei gar nicht. Ich pfeife höchstens.“Man holte Erna mit dem Seil zurück. Sie ließ sich ziehen, drehte sich zur Reling und schwieg wieder. Seitdem hängt sie am Mast. Jeden Morgen bekommt sie ein frisches Handtuch. Nicht, weil sie nass wäre. Sondern weil Hinnerk sagt: „Wenn ein Rettungsring einmal spricht, sollte man ihn nicht mehr ignorieren.“Und manchmal, wenn keiner hinsieht, streicht er ihr über die Kante und murmelt: „Du hast recht. Die Socken sind wirklich ein Problem.“

Der Kompass und der sture Hering
Es war an einem Morgen, an dem selbst das Meer noch gähnte. Kein Wind, keine Welle, nur diese verdächtige Ruhe, die jedem alten Seemann sagt: Das wird noch was. Kapitän Hinnerk stand am Steuer und starrte auf den Kompass.Der Kompass starrte zurück und zwar eindeutig nach Westen,obwohl das Schiff nach Süden fuhr.Und zwar sehr überzeugt.„Der spinnt“, sagte Hinnerk.„Der spinnt nicht“, widersprach der Bootsmann. „Der denkt nur nach.“
Man beschloss, den Kompass zu ignorieren. Ein Fehler, wie sich zeigen sollte. Denn kurz darauf tauchte ein Schwarm Heringe auf. Nicht unter dem Schiff, sondern vor dem Schiff in ordentlichen Reihen, als hätten sie geübt.Der vorderste Hering blieb stehen, sah zur Brücke hoch und klopfte dreimal mit der Schwanzflosse gegen das Wasser.Der Kompass drehte sich schlagartig nach Norden.„Siehst du“, murmelte Hinnerk. „Der kennt die.“ Man segelte weiter, nun streng nach Kompass. Die Heringe begleiteten das Schiff, links und rechts, wie eine Eskorte. Immer wenn jemand fluchte, tauchte einer auf und sah vorwurfsvoll.Am Abend lief man in einen Hafen ein, den keiner kannte, aber jeder sofort mochte. Die Laternen brannten, obwohl niemand sie angezündet hatte, und im Hafenbecken roch es nach frisch gebratenem Fisch.Der Wirt sagte nur:„Gut, dass ihr auf den Kompass gehört habt. Der zeigt nicht die Richtung, sondern den Willen des Meeres.“
Am nächsten Morgen war der
Hafen verschwunden. Die Heringe auch.
Der Kompass zeigte wieder
ganz normal nach Norden.Seitdem weiß Kapitän
Hinnerk:Wenn der
Kompass spinnt, spinnt nicht die Nadel.
Dann hört das Meer nur kurz
auf zu flüstern und fängt an, sehr deutlich zu
sprechen.Und wer dann
nicht zuhört, landet meist irgendwo, wo es keinen guten Fisch
gibt.

Niemand weiß genau, wo
dieser Hafen liegt.
Man findet ihn nicht auf
Karten. Man landet dort nur, wenn man müde genug
ist.Es heißt, wer zu
lange unterwegs war, wer zu viele Meilen im Herzen gesammelt
hat, dessen Schiff wird leiser. Die Planken knarren nicht mehr,
der Wind spricht gedämpft, und irgendwann taucht im Dunst ein
Steg auf, der vorher nicht da war.Der Hafen ist klein. Zu klein für all
die Geschichten, die dort liegen.Wenn man anlegt, passiert zunächst
nichts. Kein Empfang, kein Wirt, kein Geräusch. Erst wenn man
das Tau festmacht, hört man es. Stimmen. Nicht laut. Mehr wie
Erinnerungen, die sich verirrt haben.Manche hören Lachen. Andere Streit.
Manche ihren eigenen Namen, ausgesprochen von jemandem, der
längst nicht mehr an Bord ist.Ein alter Seemann sagte einmal, der
Hafen merke sich jedes Schiff. Nicht nur die Farbe und den
Namen. Sondern den Grund, warum es unterwegs
war.Bleibt man zu
lange, wird es schwer, wieder abzulegen. Nicht weil das Meer
einen hält, sondern weil man plötzlich weiß, was man gesucht
hat.Am Morgen ist der
Hafen weg.Der Steg
auch.
Nur das Gefühl bleibt, dass
das Meer einen kurz angesehen hat. Und genickt.


Niemand erinnerte sich
daran, dass auf dieser Insel ein Leuchtturm stand.
Und doch brannte sein
Licht.Es war kein
Licht, das warnte oder leitete. Es blinkte nicht. Es rief
nicht. Es war einfach da, als hätte es nie etwas anderes getan,
als die Dunkelheit zu betrachten.Seeleute berichteten, dass sie das Licht
nur sahen, wenn sie nicht danach suchten. Wer Karten studierte
oder Kurse berechnete, fuhr daran vorbei. Wer müde war, wer
zweifelte oder einfach sich treiben ließ, sah es plötzlich über
dem Nebel stehen. Am Strand lag oft ein Boot. Alt, leer
und niemand wusste, wem es gehört hatte.In der Hütte unterhalb des Turms brannte
manchmal ein Feuer. Niemand hatte je jemanden hineingehen
sehen. Aber morgens war die Asche warm, als hätte jemand die
Nacht dort verbracht und zugehört.Man erzählte sich, der Turm zeige keinen
Weg über das Meer.
Er zeige den Punkt, an dem
man hätte umkehren können, oder bleiben.Bei Tagesanbruch war das Licht fort. Die
Insel auch.
Zurück blieb nur die Stille
– und bei manchen das Gefühl, dass ihnen etwas beantwortet
worden war, ohne dass sie eine Frage gestellt hatten.
Niemand an Bord der Seeadler konnte sich erklären, warum die Keksdose jeden Morgen leerer war als am Abend zuvor. Der Smutje schwor bei seinem besten Kochlöffel, er habe sie fest verschlossen. Der Kapitän verdächtigte die Matrosen. Die Matrosen verdächtigten den Kapitän. Und der Schiffsjunge verdächtigte grundsätzlich alle.In der dritten Nacht beschloss man Wache zu halten.
Kurz nach Mitternacht hörte
man es aus der Kombüse krümeln, schmatzen und zufrieden
grunzen. Als die Tür aufging, stand er da: der Klabautermann.
Klein, bärtig, mit grüngelber Mütze und einem Keks in der
Hand.„Was denn?“,
brummte er mit vollem Mund. „Ordnung halten ist Arbeit. Arbeit
macht hungrig.“ Er
deutete auf die blitzblanke Kombüse. die Töpfe waren poliert
und alles sauber aufgeräumt, kein Krümelchen war in Sicht. Nur
die Keksdose war leer.Seit dieser Nacht ließ die Crew ihm
jeden Abend ein paar Kekse liegen. Das Schiff lief ruhiger, der
Wind schien freundlicher zu sein, und niemand rutschte mehr auf
nassem Deck aus.Eines
lernte man schnell:
Wer dem Klabautermann die
Kekse streicht, findet am nächsten Morgen Salz im
Kaffee.Und das, so
sagt man, ist noch die mildeste Strafe.
